Chancen und Risiken einer wissenschaftlichen Karriere

Chancen

Wissenschaftler zu sein ist kein Beruf wie jeder andere, sondern ist Berufung, ein Lebenstraum.

Als wissenschaftliche/-r Mitarbeiter/-in an einem anerkannten Forschungsprojekt mitzuwirken, als Dozent/-in Gruppen von Studierenden spezielles Wissen zu vermitteln oder als Professor/-in in einer Vorlesung die aktuellsten Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung in die Köpfe wissensdurstiger Studenten/Studentinnen zu streuen, den eigenen Horizont und die Grenzen der Disziplin ständig zu weiten – der Weg dorthin birgt etliche Schwierigkeiten, doch nehmen viele Wissenschaftler/-innen diese bei der Erfüllung eines Lebensziels gern auf sich.

Reize einer wissenschaftlichen Karriere

Das Entwickeln eigener Ideen, die individuelle und freie Forschung sowie Publikationen gelten als Triebfedern einer Karriere in der Wissenschaft. Eine Beschäftigung auf dem Gebiet des persönlichen Interesses, welche nach Wunsch in der Professur ihren Höhepunkt finden kann, ist für viele eine ideale Kombination von Beruf und persönlichen Interessensgebieten. Eine weitere Möglichkeit in der Forschung tätig zu sein, bietet beispielsweise eine Anstellung als wissenschaftliche/-r Mitarbeiter/-in mit oder ohne zusätzliche Lehrtätigkeit.
Das Bilden und Pflegen eines persönlichen Netzwerkes mit Wissenschaftlern/Wissenschaftlerinnen und Forschern/Forscherinnen gilt als unentbehrliche Voraussetzung für den Start in eine wissenschaftliche Karriere.

Berufung anstatt Beruf

Das große Geld ist mit der wissenschaftlichen Tätigkeit allein oft nicht zu verdienen, doch viele Forscher/-innen stellen dies zur Erlangung ihres Lebenstraums in den Hintergrund. Werte wie Spaß an der Sache, positives Feedback von Studierenden sowie das Verbreiten von eigenem Wissen erlangen höhere Wichtigkeit. Die Anerkennung in der Fachwelt und Erfolge in der eigenen Forschung bestärken das Gefühl, den richtigen Berufsweg eingeschlagen zu haben.

Vielfältige Möglichkeiten

Die sowohl fachlichen als auch persönlichen, hochwertigen Qualifikationen, die man sich im Laufe einer wissenschaftlichen Karriere aneignet, können nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Wirtschaft sowie in der Industrie genutzt werden. Alle großen Unternehmen verfügen über eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, die spannende Tätigkeitsfelder bieten.

Risiken

Wissenschaftliche Karriere nur für Idealisten/Idealistinnen?

Die Entscheidung, in der Wissenschaft arbeiten zu wollen, ist die eine Sache, die Möglichkeit dazu zu haben, die andere. Stimmen weisen auf verschiedene Schwachstellen und Unsicherheitsfaktoren einer wissenschaftlichen Karriere in Deutschland hin. So beispielsweise die lange Qualifizierungsphase auf befristeten Verträgen, welche häufige Umzüge, nicht selten auch international, nach sich zieht und somit eine hohe persönliche Belastung darstellt.

Befristete Verträge – kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse

Oft wird auf §57b des Hochschulrahmengesetzes (HRG) verwiesen, welcher besagt, dass die Promotionsphase auf sechs Jahre befristet ist und im Anschluss daran eine Befristung von weiteren sechs (in der Medizin neun) Jahren zulässig sei. Geregelt werden diese Rahmenbedingungen durch das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG), das eine Beschäftigung von Stellen an Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen über 12 Jahre nicht zulässt. Es fehle die Möglichkeit für eine langfristige Beschäftigung in der Forschung sowie Perspektiven für wissenschaftliche Mitarbeiter/-innen abseits der Professur. Doch selbst auf die Professur gibt es keine Garantie. Das Risiko, nach 12 Jahren befristeter Beschäftigung keine Professur zu erhalten, wollen viele nicht eingehen und sehen daher in der Industrie die Alternative zu einer Karriere an der Universität.

Doch auch die Übereinkünfte über die Grundgehälter der W-Besoldung für Professoren/Professorinnen werden kritisiert. Die Gehälter seien dem Arbeitsaufwand der anspruchsvollen Tätigkeit und dem Wert der persönlichen Berufserfahrung aus der PostDoc-Zeit nicht angemessen.

Existenzielle Unsicherheit

Es herrscht eine große existenzielle Unsicherheit unter den Nachwuchswissenschaftlern/-wissenschaftlerinnen, weshalb eine Vielzahl von ihnen von einer Karriere in Deutschland absieht und sich dem Ausland zuwendet. Es wird deutlich, was dem wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland fehlt es werden realistische Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten sowie mehr unbefristete Stellen an den Universitäten gefordert. Nicht zuletzt würde sich dies auf eine Verbesserung der Qualität der Lehre sowie des Verhältnisses zwischen Studierenden und Lehrenden auswirken.

Die Industrie nicht aus den Augen verlieren

Wer eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, sollte sich dieser Chancen als auch Risiken bewusst sein. Es wird empfohlen, sich aufgrund der stark begrenzten Kapazitäten in der Wissenschaft eine Karriere in der industriellen Forschung möglichst offenhalten, etwa durch Interdisziplinarität, Anwendungsbezug der eigenen Forschungen, weite Themenfelder oder Vernetzungen der Kontakte, um auch langfristig Perspektiven und Ausweichmöglichkeiten zu haben.

Besserung in Sicht?

Gemäß diesen Mängeln zeigt der Bundesbericht zur Förderung des Wissenschaftlichen Nachwuchses (BuWIN) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) Handlungsansätze auf, um Frühe Karriereperspektiven / Planbarkeit zu ermöglichen. Die Ausweitung des Tenure track an den Hochschulen ist beispielsweise eine der Maßnahmen zur Verbesserung der Karriereperspektiven für Nachwuchswissenschaftlerinnen und wissenschaftler, die ihren Schwerpunkt in der Lehre sehen.