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08.02.2012
21:16

Generation Stipendium? - Teil 2

  Von den ganzen, teilweise nutzlosen Versicherungen mal abgesehen, habe ich eine weitere düstere Prognose für Stipendienhalter in Erfahrung bringen können:  Später, wenn man als Doktor irgendwann vielleicht mal einen „normalen“ (aber natürlich befristeten) Vertrag ergattert hat, wird ein ehemaliger Stipendiat ganz unten in die Stufe 1 der Entgeltgruppe 13 des TVöD eingestuft; wohin gegen sein promovierter Kollege, der über 3 Jahre eine halbe oder sogar ¾ Stelle während seiner Promotionszeit hatte, gleich in eine höhere Gehaltsklasse eingestuft wird (Entgeltgruppe 13, Stufe 3 = ca. 550€ Brutto-Mehrverdienst pro Monat). Klar, schließlich hat ja ein Stipendiat viel weniger Berufserfahrung als sein glückseliger „Vertragskollege“ ...?!? So eine Ungerechtigkeit macht mich wirklich wütend. 550€ pro Monat weniger - für die gleiche Arbeit!

Früher unterlag ich der Annahme, ein Stipendium zu beziehen sei eine Auszeichnung für gute Leistung, heute würde ich es als eine Art der Diskriminierung und Ausbeutung beschreiben.

Ich habe den Eindruck, dass viele Studenten dieses System der „Ausbeutung“ schon durchschaut haben. Es gibt kaum noch deutsche Bewerber für Stipendien! So zumindest in einem mir bekannten Fall. Es hatten sich ca. 70 Studenten für eine Doktorandenstelle mit  einer Stipendienfinanzierung beworben, davon waren nur 2 Deutsche. Für deutsche Doktoranden lohnt ein Stipendium nicht. Es hat einfach zu viele Nachteile und bietet im Gegenzug keine Anreize – außer Vielleicht die flexible Einteilung der Arbeitszeit? Aber, naja, als Doktorand bzw. Hobbywissenschaftler arbeitet man ohnehin mehr als man „muss“, schließlich macht es ja Spaß!!!

Die ganze Stipendienmisere mag für ausländische Promovenden anders aussehen, aber da kenne ich mich zu wenig aus, als zu dem Thema einen Beitrag zu schreiben.

 

 

08.02.2012
21:07

Generation Stipendium? - Teil 1

 

Wie im letzten Blog erwähnt, brauche ich noch ein „bisschen“ Zeit für meine Doktorarbeit. Selbst wenn alles glatt liefe, also mein kürzlich eingereichtes Paper ohne großen Mehraufwand zügig durchgeht, wird mindestens noch ein halbes Jahr verstreichen, bis ich mich mit dem Doktortitel schmücken darf. Ein Grund dafür ist das aufwendige und zeitintensive Promotionsverfahren, über welches Stefan noch genauer berichten wird.

Doch, mein JSMC-Stipendium, über welches ich bisher finanziert wurde (bzw. meine „Aufwandsentschädigung“ bezogen hatte) läuft im April diesen Jahres aus! Wie geht es finanziell weiter? Von Luft, Liebe und „guten Daten“ kann ich nicht wirklich gut leben....

Mein Chef hat mir also angeboten, mich über ein Stipendium der Max Planck Gesellschaft weiter zu fördern. Einerseits freue ich mich über seine Unterstützung und bin froh, nicht wie einige andere Doktoranden mit dem Status„Praktikant“, sondern als Doktorand letzte Versuche durchführen und letztlich meine Arbeit verteidigen zu dürfen. Aber, wieder nur ein Stipendium! Ich bin 27 Jahre alt, habe seit 4 Jahren mein Diplom in der Tasche und werde immer noch mit einem Stipendium abgespeist. D.h. im Ernstfall sehe ich keinen Cent Arbeitslosengeld oder Elterngeld oder Krankengeld und schon gar keine Rente! Nicht, dass ich jemals hoffte in die Rentenkasse einzuzahlen, um später von einer gesetzlichen Rente zu zehren! Nein, diese naiven Gedanken habe ich schon früh verabschiedet. Aber was ist mit den anderen „Versicherungen“? Von unserem Stipendium gehen die noch die vollen 15,... % Krankenversicherung und der Beitrag zur Pflegeversicherung ab. Dazu kommt für die meisten eine private Unfallversicherung und eine private Rentenvorsorge. Und es geht beim Elterngeld weiter: Ich hatte ja schon erwähnt, dass Stipendiaten in Elternzeit oft nur die 300€ Basiselterngeld beziehen. Zum Glück war / ist das bei der JSMC anders. Zudem bekam ich von der JSMC noch eine Kinderzuschlag auf’s Stipendium oben drauf. Wie ich jetzt herausgefunden habe, zahlt unter bestimmten Umständen auch die MPG einen Kinderzuschlag zum Stipendium... Elterngeld gibt es leider trotzdem nicht.

Keine Frage, von einem Stipendium (und in unserem Fall zwei Stipendien), kann man gut leben und auch ein Kind durchfüttern, aber viel zur Seite legen oder Sozialleistungen in Anspruch nehmen ist nicht drin...

Dorothea Meldau
Diplom-Biologin
Dr. Stefan Meldau
Biologe
Doktorandin seit 2008

Max Planck Institute for Chemical Ecology, Jena
Arbeitsgruppenleiter am MPI für chemische Ökologie und am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in Leipzig.

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