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KISSWIN.DE-Blog

20.02.2012
21:47

Aufgaben einer Graduiertenschule: Konferenz üben

  Die Doktorandenschule, die mich während meiner Doktorarbeit begleitet hat (http://imprs.ice.mpg.de/ext/), organisiert jedes Jahr eine kleine Konferenz, auf der alle Doktoranden entweder ein Poster präsentieren oder einen Vortrag halten. Dieses Mal bin ich erstmalig als Betreuer dabei, d.h. einer meiner Studenten präsentiert ein Poster auf der Konferenz. Rückblickend finde ich diese Übungskonferenzen enorm wichtig. Wo sonst lernt man es Vorträge vor einem recht großen Auditorium (über 100 Teilnehmer) zu halten und Poster zu präsentieren? Dabei ist die Atmosphäre noch relativ familiär, da ja die meisten im selben Boot sitzen. Hier ist es noch erlaubt kleine Fehler zu machen, man befindet sich schließlich noch in der Ausbildung.

Durch die thematische Vielfalt, von pflanzlichen Abwehrmechanismen über Sex bei Algen bis hin zu dem Geruchssystem bei Krebsen ist alles vertreten. Ich habe mich nach der Tagung noch mit ein paar Kollegen getroffen und wir haben alle zugestimmt, dass gerade diese Wahrnehmung thematischer Vielfalt enorm wichtig für unseren Beruf ist. Obwohl jeder ein spezifisches Thema bearbeitet, gibt es so die Möglichkeit über seinen eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Morgen geht es mit der Konferenz weiter. Sie wird von einem Festvortrag (plenary lecture) eines ehemaligen PostDocs unseres Instituts eingeleitet, die mittlerweile eine Professur in den Niederlanden bekommen hat. Das ist natürlich ein Anreiz für die Nachwuchsforscher.

PhD(lifeinfector@web.de)0 KommentareViews: 2
16.02.2012
22:46

Verteidigung, wo bist du?

  Ich habe meine Doktorarbeit Anfang Dezember abgegeben. Jetzt ist es Mitte Februar und ich habe noch keine Idee wann ich denn endlich verteidigen kann. Wo liegt das Problem?

Der Knackpunkt ist das externe Gutachten. Ich hatte dem Fakultätsrat einen externen (nicht der Uni ansässigen und kein Co-Autor auf einer Publikation meines Chefs) Gutachter vorgeschlagen, der gerade in unserer Abteilung ein Sabbatical (eine Art Studienaufenthalt) macht. Der Prof. kommt aus den USA (Cornell University) und ist eine Koryphäe auf dem Gebiet meiner Doktorarbeit. Eigentlich perfekt, sollte man meinen. Aber die Angehörigen der Fakultätsratssitzung sahen das anders und baten mich darum einen anderen externen Gutachter vorzuschlagen. Ich habe keine Ahnung warum, da alle in der Prüfungsordnung genannten Kriterien erfüllt waren. Nun hatte ich einen anderen externen Gutachter, der in den Niederlanden forscht, ebenfalls ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet, gefragt ob er meine Dissertation begutachten würde und er hat zugesagt.

Nur leider hat er in den letzten 8 Wochen (so lange hat ein Gutachter Zeit für das Gutachten) keine Beurteilung an die Uni in Jena geschickt. Jetzt wird er erst einmal eine Erinnerung von der Verwaltung bekommen.

Sollte das Gutachten irgendwann eintrudeln, dann muss es noch mind. drei Wochen für alle Prüfungskomiteemitglieder  zugänglich sein.

Ich hoffe es wird dann nächsten Monat etwas mit der Verteidigung. Mir ist der Titel egal, nur bekomme ich ohne ihn eine geringere Besoldung.  Auch dass wäre mir gleichgültiger, hätte ich nicht eine Familie. Gut dass Doro`s Stipendium noch recht großzügig ist!

Erst wurde der Fakultätsratssitzungtermin um einen Monat verschoben, dann akzeptierte man meinen Gutachtervorschlag nicht und jetzt kommt das Gutachten des externen Gutachters nicht.

Es ist nicht so dass ich hier sitze und Däumchen drehe. Ich betreue zwei Diplomanden und einen Doktorand; werde nächste Woche eine Publikation einreichen und schreibe schon an der nächsten.

Allerdings möchte ich endlich dieses Kapitel abschließen!

PhD(lifeinfector@web.de)0 KommentareViews: 8
14.02.2012
21:59

Gegen teures Wissen

  Noch eine andere Nachricht hat diese Woche Schlagzeilen gemacht. Elsevier, ein Herausgeber etlicher (weit über 2000) bedeutender wissenschaftlicher Journale, verlangt von Wissenschaftlern nicht nur hohe Summen für das Veröffentlichen ihrer Arbeit, sondern kassiert noch ordentlich die Bibliotheken und Forschungseinrichtungen ab, indem diese horrende Summen für den Zugang zu den Publikationen bezahlen müssen. Solch ein Verhalten ist zu Zeiten des „open access“, also der freien Verfügbarkeit von Publikationen vieler neuer Zeitschriften im Internet, nicht hinnehmbar. Auf diese Situation haben Timothy Gowers und Tyler Neylon, zwei britische Mathematiker, jetzt auf der Homepage http://thecostofknowledge.com/ aufmerksam gemacht. Dort haben sich schon circa 6000 Wissenschaftler registriert, die nicht mehr bei Zeitschriften von Elsevier publizieren, begutachten oder als Herausgeber fungieren. Ich finde solch eine Initiative unterstützenswert und werde mich dort auch registrieren.

PhD(lifeinfector@web.de)0 KommentareViews: 17
14.02.2012
21:47

Höhere Gehälter für Professoren; was ist mit dem akademischen Mittelbau?

  Heute hat das Bundesverfassungsgericht die niedrige Grundbesoldung von Professoren verurteilt. Da ist das Medieninteresse natürlich recht groß! Man kann die Schlagzeilen in allen Zeitungen lesen, es kommt in den Nachrichten und auch das Radio tönt mit dieser Information. Bringt diese mediale Aufmerksamkeit endlich den Stein ins rollen, der letztendlich auf die miesen Anstellungsverhältnisse an deutschen Unis aufmerksam macht?

Ich hoffe es! Liebe Talkshowmoderatoren: bitte ladet jetzt ganz viele Wissenschaftler ein, damit sie von ihren prekären Beschäftigungsverhältnissen berichten können! Die Situation für mehr mediale Aufmerksamkeit ist günstig.  Nur so wird politisch Druck ausgeübt.

Die Hochschulen platzen, dank stark erhöhten Anfängerzahlen durch doppelte Abiturjahrgänge und Wegfall der Wehrpflicht, aus allen Nähten. Die Steuereinnahmen sprudeln gerade (zumindest für den Bund). Selbst die Bundesbildungsministerin, Frau Schavan, befindet das Urteil als positiv. Dann gibt es doch beim Bund sicher Mittel und Wege den klammen Länderkassen auch etwas bei der Hochschulfinanzierung unter die Arme zu greifen?

Warum schreibe ich das hier? Sollte dieser Blog nicht über unser Dasein als Doktoranden berichten? Nun, wir machen uns natürlich auch Gedanken wie es nach der Doktorarbeit weitergeht und eine akademische Laufbahn wäre zwar super, ist aber auf Grund der schlechten Beschäftigungsverhältnisse nicht sehr attraktiv.

Solche Meldungen machen zumindest Hoffnung auf bessere Zukunftsaussichten!

PhD(lifeinfector@web.de)0 KommentareViews: 14
08.02.2012
21:16

Generation Stipendium? - Teil 2

  Von den ganzen, teilweise nutzlosen Versicherungen mal abgesehen, habe ich eine weitere düstere Prognose für Stipendienhalter in Erfahrung bringen können:  Später, wenn man als Doktor irgendwann vielleicht mal einen „normalen“ (aber natürlich befristeten) Vertrag ergattert hat, wird ein ehemaliger Stipendiat ganz unten in die Stufe 1 der Entgeltgruppe 13 des TVöD eingestuft; wohin gegen sein promovierter Kollege, der über 3 Jahre eine halbe oder sogar ¾ Stelle während seiner Promotionszeit hatte, gleich in eine höhere Gehaltsklasse eingestuft wird (Entgeltgruppe 13, Stufe 3 = ca. 550€ Brutto-Mehrverdienst pro Monat). Klar, schließlich hat ja ein Stipendiat viel weniger Berufserfahrung als sein glückseliger „Vertragskollege“ ...?!? So eine Ungerechtigkeit macht mich wirklich wütend. 550€ pro Monat weniger - für die gleiche Arbeit!

Früher unterlag ich der Annahme, ein Stipendium zu beziehen sei eine Auszeichnung für gute Leistung, heute würde ich es als eine Art der Diskriminierung und Ausbeutung beschreiben.

Ich habe den Eindruck, dass viele Studenten dieses System der „Ausbeutung“ schon durchschaut haben. Es gibt kaum noch deutsche Bewerber für Stipendien! So zumindest in einem mir bekannten Fall. Es hatten sich ca. 70 Studenten für eine Doktorandenstelle mit  einer Stipendienfinanzierung beworben, davon waren nur 2 Deutsche. Für deutsche Doktoranden lohnt ein Stipendium nicht. Es hat einfach zu viele Nachteile und bietet im Gegenzug keine Anreize – außer Vielleicht die flexible Einteilung der Arbeitszeit? Aber, naja, als Doktorand bzw. Hobbywissenschaftler arbeitet man ohnehin mehr als man „muss“, schließlich macht es ja Spaß!!!

Die ganze Stipendienmisere mag für ausländische Promovenden anders aussehen, aber da kenne ich mich zu wenig aus, als zu dem Thema einen Beitrag zu schreiben.

 

 

Dorothea Sonntag
Diplom-Biologin
Stefan Meldau
Diplom-Biologe
Doktorandin seit 2008

Max Planck Institute for Chemical Ecology, Jena
Doktorand seit 2006


Max Planck Institute for Chemical Ecology, Jena
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