KISSWIN.DE-Blog
Arbeiten im Akkord
Letzten Freitag waren nun endlich die Feldproben mit 2 Tagen Verspätung in Jena angekommen. Mein neuer Kollege und ich haben uns nach dem Labmeeting dann sofort an die Arbeit gemacht und die Wurzel- und Blattproben bearbeitet. Obwohl wir im Voraus schon Vorbereitungen getroffen hatten, zog sich unser Isolationsexperiment in die Länge. Stefan erklärte sich dann kurzfristig bereit, unseren Sohn von der Tagesmutti abzuholen. Doch auch die dazugewonnenen 2 h Mehrarbeit nutzten nicht viel, die Proben wurden und wurden nicht weniger. Mal eine kleine Kaffeepause, mal schnell einen Keks gegessen, mal kurz auf die Toilette und dann wieder ran an die Sicherheitswerkbank und weiter arbeiten.... Probe um Probe – im Akkord. Um 18:30 Uhr rief ich dann Stefan an: „Es wird definitiv später werden heute Abend.“ Letztlich verließ ich um 20Uhr entnervt und erschöpft das Institut. Ein harter 12h Tag – puuuuh, so was war ich gar nicht mehr gewohnt! Ich hoffe nur, dass sich unsere Arbeit gelohnt hat und wir spannende Ergebnisse bekommen! In 2 (und in 3) Wochen werden wir nochmals Proben bekommen. Hoffentlich geht das Prozedere dann schneller...schließlich haben wir dann schon Routine.
Ein Hoch auf Jena!
Durch Gespräche mit Bekannten (vorrangig aus den alten Bundesländern), wird uns immer wieder deutlich, wie gut wir es als „promovierende“ Familie in Jena haben. Besonders die Kinderbetreuungsmöglichkeiten sind in Jena sehr gut ausgebaut, so dass Stefan und ich ohne größere Hindernisse unserer Promotion / Postdoc-Tätigkeit nachgehen können. Das ist bei weitem nicht bei allen Promotionsstudenten der Fall...
Zum Beispiel verfügt alleine das Studentenwerk Thüringen über 4 Kindergärten in Jena und über eine flexible Kinderbetreuung (JUniKinder), durch welche Babys (mind. 6 Wochen alt) stundenweise betreut werden können.
Wir hatten uns sofort nach der Geburt unseres Sohnes bei den kommunalen und etlichen privaten Kitas, sowie auf einen Tagesmutterplatz (Vergabe erfolgt über die Stadtverwaltung) parallel beworben und standen am Ende bei ca.15 Kitas auf der Warteliste. Warteliste? Ja... selbst in Jena, einer der (angeblich) kinder- und kitareichsten Städte Deutschlands, bekommt man einen Betreuungsplatz nicht hinterher geworfen – man muss sich energisch kümmern, nachfragen und teilweise richtig präsentieren, um seinem Sprössling einen (Wunsch-) Kitaplatz zu gewährleisten. Letztlich haben wir eher zufällig und „von Heute auf Morgen“ einen Tagesmutterplatz angeboten bekommen – wir haben (wegen der familiären Atmosphäre und der Nähe zum MPI) sofort zugeschlagen, und so war ich nach nur ca. 9 Monaten Elternzeit wieder im Doktorandenleben angekommen.
Nun ist es so, dass Kinder nur bis zur Vollendung des 3. Lebensjahres durch eine Tagesmutter betreut werden dürfen, also mussten wir letzten Herbst uns wieder auf den Kita-Bewerbungsmarathon einlassen, um unserem Spatz für diesen Herbst einen Kita-Platz zu ergattern. Erst sah die Lage (wiedermal) eher düster aus (zudem waren wir mit unseren Bewerbungen spät dran), doch dann, Ende Februar lichtete sich der Kita-Himmel und wir bekamen nicht nur eine, nein, gleich 6 Zusagen! Unser Kinderbetreuungs-“Problem“ ist für die nächsten Jahre damit gelöst!
Ein weiters großes Plus in Jena: die Gebühren für Kita und Tagesmutter richten sich nach dem Einkommen, überschreiten aber 190€ pro Monat nicht. Ein kleines Minus: Promotionsstipendien werden zu 95% angerechnet (obwohl vom Stipendium noch die 15,...% Kranken-und Pflegeversicherungs abgehen)...
Auch kann man als (Promotions-)Student Bus und Bahn, sowie den regionalen Bahnverkehr in Thüringen kostenlos nutzen, was Besuche beim Kinderarzt etc. enorm vereinfacht. Auch ganz nett: In der Mensa bekommt Vater oder Mutter gegen Vorlage eines Kinderausweises ein (halbes?) Essen gratis... Ein Hoch auf Jena (und die FSU)!
Ein weiteres Paper in Aussicht
Mit der Annahme meines zweiten Erstautorenpapers rückt meine Verteidigung in greifbare Nähe. ... theoretisch betrachtet zumindest, denn, für eine kumulative Promotion brauche ich mindestens 2 veröffentlichte Erstautorenpaper und ein Manuskript sollte zur Begutachtung eingereicht sein. Realistisch sieht meine Forscher-Welt aber anders aus. Mein drittes Paper braucht noch etwas Reifezeit. Es soll meine Hauptveröffentlichung werden und wir hoffen, dass es diese Story ganz nach oben schafft. Das Datengerüst steht aber schon sehr stabil und ich (bzw. meine fleißige Bachelorstudentin) arbeite nun noch an einem, für das Manuskript essentiellen, Schlüsselexperiment. Zudem wiederholen wir einige Experimente, um unseren Ergebnissen und den daraus folgenden Schlussfolgerungen, ein gutes (Daten-) Fundament zu schaffen. Nebenbei schreibe ich schon fleißig am Manuskript. Heute zum Beispiel habe ich den ganzen Tag damit zugebracht, Legenden für die Abbildungen zu formulieren. Das ist nicht immer ganz einfach. Der Text sollte die dargestellten Sachverhalte präzise beschreiben und dabei möglichst eindeutig und kurz sein. Auch müssen in der Abbildungslegende Angaben zur statistischen Auswertung, sowie in der Abbildung verwendete Abkürzungen aufgeführt werden. Und das alles bei einer vorgegebenen Wortanzahl... Heute habe ich erst mal „drauf los geschrieben“ – weggekürzt werden kann später immer noch.
Paper akzeptiert
So schnell kann es gehen! Es ist gerade mal fünf Wochen her, dass ich über die Ablehnung meines Manuskriptes bei Journal x erfahren haben, und schon heute darf ich mich über mein zweites Erstautorenpaper freuen!
Ich hatte vor gut 3 Wochen mein Paper bei einem anderen Journal (y) eingereicht. Dort verlief der Reviewprozess sehr schnell und nach nur drei Wochen hatte ich meine Gutachten „auf dem Tisch“. Die zwei Reviewer bewerteten meine Arbeit positiv und so gab es nur wenige Kleinigkeiten, die einer Veröffentlichung im Weg standen, auszumerzen. Die Änderungen waren schnell erledigt. So habe ich heute Morgen eine aktuelle Version von meinem Paper, sowie die spezifischen Antworten zu den Reviewer-Kommentaren im Internet hochgeladen. Heute Abend teilte uns dann der Verleger mit, dass unser Manuskript akzeptiert sei! Nun gilt es, noch ein paar winzige Änderungen vorzunehmen und das Geschriebene nochmal orthographisch zu kontrollieren. Dann kann mein Paper veröffentlicht werden. Da es sich bei dem „open access“ Journal y um ein reines „Online-Journal“ handelt, werde ich leider nie einen Druck meines Werkes in den Händen halten dürfen – einerseits schade, andererseits ist das der Trend....
Journal y ist ein sehr junges Journal (erste Publikation: 2007) und besitzt noch keinen Impactfactor – mal schauen, wo dieser sich einpendeln wird... Obwohl meine Veröffentlichung nicht in einem erstklassigen, renommierten Journal erscheinen wird, bin ich erleichtert, dass jetzt alles so schnell über die Bühne ging.
Organisation ist das halbe Leben...
An den Freitagen ist nicht viel dran.... Morgens um 8 oder halb 9 steht das wöchentliche Labmeeting (das große Arbeitsgruppentreffen) auf dem Plan. Es dauert, je nach der Menge an Präsentationen, meist 1 ½ bis 2 Stunden. Danach ist Laborputzen angesagt. Auch dafür gehen auch wieder 30 bis 60 Minuten drauf. Anschließend bespreche ich mit meinen Studenten, was heute und die nächste Woche für Experimente anstehen. Oft erledige ich dann noch andere organisatorische Sachen. So zum Beispiel auch gestern. Für ein Großexperiment (Isolation von Mikroben aus Pflanzenwurzeln) müssen Kulturmedien, Chemikalien und 2000 Petrischalen bestellt / bzw. im Fall von Chemikalien, in unseren Laboren gesucht werden. Zudem müssen die Vorbereitungen für dieses Experiment zeitlich genau geplant werden. Denn, wenn dann die Proben von unserer Feldstation eintreffen, muss alles wie geschmiert laufen, schließlich wird es sich um Pflanzen handeln, die sofort weiterverarbeiten werden müssen. So habe ich für die kommenden Wochen zwei Sicherheitswerkbänke „gebucht“ und die Suche nach einem Brutschrank, in dem wir die Petrischalen lagern werden, gestartet. Leider mussten wir feststellen, dass wir auf solch große Mengen an Petrischalen nicht eingestellt sind, so dass wir wahrscheinlich noch einen Inkubator kaufen müssen. Alles will gut geplant sein – denn gute Organisation ist das halbe Leben eines Wissenschaftlers!




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